Portrait vom Fanbeauftragten Andreas Paffrath

Blog

zur Blogübersicht

Danke für das Feedback!

Ihre Meinung ist uns sehr wichtig und hilft uns intern bei der Aufbereitung von Artikeln. Ihre Bewertung wird nicht veröffentlicht und es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

BEITRAG BEWERTEN
Beitrag teilen

"Bayer 04

ist Heimat für mich"

Jeder Junge in der BayArena träumt davon für Bayer 04 aufzulaufen. Wirklich jeder? Das lässt sich natürlich nicht beantworten. Und für manche kommt es ganz anders. Andreas Paffrath ist seit Kindesbeinen an im Stadion und seit mittlerweile 32 Jahren Fanbeauftragter des Clubs. Wie es dazu kam und welche Erlebnisse er mit Bayer 04 und den Fans verbindet, schildert er in einem Interview mit der BERGISCHEN Krankenkasse.

Herr Paffrath, wann und wie wurden Sie Fan von Bayer 04 Leverkusen?

Paffrath: Hach, das ist ganz schön lange her (lacht). 1971 hatte mein älterer Bruder die Idee, seinen Geburtstag im Fußballstadion zu feiern. Also ging mein Vater mit uns beiden auf ein Auswärtsspiel von Bayer 04 Leverkusen. Das war in Solingen gegen Union Solingen. Da spielte Leverkusen noch in der Regionalliga West. Ja, und was soll ich sagen? Ich war sofort Feuer und Flamme für die Werkself und seitdem bin ich immer mit Herz und Seele dabei. Als gebürtiger Leverkusener vielleicht auch keine ganz so schlechte Entwicklung (lacht). Hinzu kam, dass mein Vater bei Bayer im Werk gearbeitet hat und wir dadurch auch immer gut an Karten fürs Stadion gekommen sind.

Und wie sind Sie dann Fanbeauftragter der Werkself geworden?

Paffrath: Nun ja, als Fan ist man automatisch auch irgendwie Teil der ganzen Fan-Szene. Bereits als „normaler“ Fan habe ich einige Dinge, wie deutschlandweite Fan-Treffen oder an einer Fan-Zeitung mitzuschreiben, gemacht. Nach dem UEFA Cup-Sieg 1988 bekamen wir einen ordentlichen Schub an Fans und ich die Möglichkeit, ganz offiziell als ehrenamtlicher Fanbeauftragter von Bayer 04 tätig zu werden. Parallel habe ich noch bei AGFA im Werk gearbeitet. Das ging einige Zeit gut, bis es mir irgendwann zu viel wurde. Im Werk malochen und nach Feierabend Fanarbeit betreiben, ging auf Dauer nicht mehr. Ich musste also den Job als Fanbeauftragter an den Nagel hängen. Geld habe ich damit ja nicht verdient. Doch Rainer Calmund hatte was dagegen (lacht). Er sagte „Paffi, (Anmerk. d. Redaktion: Spitzname bei Bayer 04) du musst bleiben. Wir machen es möglich, dass du Vollzeit bei uns als Fanbeauftragter arbeiten kannst.“ Ja, und wenn Rainer Calmund dir so ein Angebot macht, kannst du unmöglich ablehnen (lacht).

Das war ja wie ein Wink des Schicksals, wenn man so will.

Paffrath: Auf jeden Fall!

Was genau macht ein Fanbeauftragter? Was sind seine Aufgaben?

Paffrath: Ein Fanbeauftragter ist sowas wie ein Organisator, Anwalt, Dolmetscher und Ansprechperson in einem, wenn es um die Belange der Fans geht. Wir organisieren Autogrammstunden mit den Profis, planen Aktionen und Fahrten zu Auswärtsspielen und schauen, dass während Heim und Auswärtsspieltage alles glatt läuft und die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Manchmal sind wir auch der Kummerkasten, wenn es zwischen der Vereinsführung und den Fans Unstimmigkeiten gibt. Insgesamt teile ich mir die Arbeit mit drei Kollegen. Als Vierergespann sind wir für 260 B04-Fanclubs in ganz Deutschland tätig. Aber man muss ganz klar sagen: Die Arbeit als Fanbeauftragter wirkt sich auch auf das Hobby Fußball aus. Als Fanbeauftragter ist man in alles involviert, bekommt alles mit und ist manchmal die einsamste Person im Stadion. Man ist einfach nicht mehr der kleine Junge, der einst in der Südkurve stand. Es ist wirklich viel zu organisieren und man muss aufpassen, dass während der Spiele, davor und danach alles reibungslos abläuft. Aber nichtsdestotrotz ist es für mich ein Privileg und Traumjob zugleich, den ich hier ausüben darf.

Als Fanbeauftragter ist man also mittendrin statt nur dabei. Gibt es denn ein besonders emotionales Erlebnis, an das Sie gern zurückdenken?

Paffrath: Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich denke natürlich gern an die Titel zurück. Der UEFA Cup-Sieg, der Sieg im DFB-Pokal, aber auch die Spiele gegen Liverpool, Real Madrid und die Wege bis ins Finale waren ganz außergewöhnliche und einmalige Erlebnisse. Doch die Kleinigkeiten im Alltag sind eigentlich die, die mir die tägliche Motivation und Freude an meinem Beruf bringen. Wenn man zum Beispiel an einer Rollstuhlfahrer-Hochzeit teilnehmen darf und weiß, wie das Brautpaar sich im Stadion kennengelernt hat, dann muss man schon die eine oder andere Träne verdrücken. Fußball verbindet und das ist das wunderbare an meinem Job.

Gibt es rückblickend auch Erlebnisse, die Ihnen nicht so schön in Erinnerung geblieben sind?

Paffrath: Ja, die gibt es natürlich auch (lacht). Da denke ich natürlich an das Saisonfinale in Unterhaching im Jahr 2000 zurück. Ich konnte leider nicht mit nach Unterhaching fahren, da ich das Public Viewing in unserem Stadion mitorganisieren musste. Da war ich wirklich traurig. Wir hatten die bis dato einmalige Gelegenheit, Deutscher Meister zu werden, und ich war nicht live dabei. Dass wir dann tatsächlich die Meisterschaft vergeigt haben, war natürlich doppelt bitter (lacht). Aber solche Niederlagen stärken den familiären Haufen, der wir sind. Das merkte man auch 2002, als wir leider alle Titel verspielt haben. Der Stolz überwog am Ende, auch wenn wir seitdem in Fankreisen einen etwas unschönen Spitznamen haben (lacht). Den erwähne ich jetzt ganz bewusst nicht. Niederlagen gehören einfach dazu, trotzdem ist Bayer 04 Heimat für mich und das wird auch immer so bleiben.

Umso schwieriger waren und sind vermutlich die letzten Wochen und Monate ohne Fans im Stadion, kann ich mir vorstellen.

Paffrath: Ja, das stimmt. Der Lockdown, und alles was damit in Verbindung steht, ist natürlich derzeit das Thema Nummer 1. Wir selbst waren, wie so viele, im Home-Office tätig. Aber auf Dauer fehlt einfach der persönliche Kontakt mit den Fans. Das lässt sich durch die digitale Technik nur begrenzt ersetzen. Der Fußball steht insgesamt vor einer heiklen Gratwanderung. Was mir auch in den letzten Wochen aufgefallen ist: Der Fan entfremdet sich ein wenig von dem Konstrukt Profi-Fußball. Ohne richtige Stadionatmosphäre fehlt den Fans dieses gewisse Etwas. Das ist natürlich nachzuvollziehen.

Gibt es denn innerhalb der Fanszene sportliche Aktivitäten und gemeinsame Treffen, die über die Stadionbesuche hinausgehen?

Paffrath: Ja, die gibt es auf jeden Fall. Der Zusammenhalt endet nicht mit Verlassen des Stadions. Ich persönlich habe in der Hinsicht tolle Erfahrungen sammeln dürfen. Wissen Sie, ich wog mal über 240 Kilogramm und musste eine Magenverkleinerung durchführen lassen. In dieser schwierigen Zeit zeigt sich die familiäre Gemeinschaft innerhalb der Fanszene. Ich bekam tollen Zuspruch von vielen Leuten und bin froh jetzt unter 100kg zu sein. Und auch so gibt es viele Fantreffen außerhalb des Stadions. Wanderungen, Fussball Fans in Training, Walking-Football oder gemeinsame Ernährungs- und Kochkurse. Das ist schon was Besonderes.

Gutes Stichwort für unsere Versicherten und Interessenten: Wir bezuschussen die Teilnahme an Ernährungskursen mit bis zu 500 € pro Jahr.

Paffrath: Hätten Sie das mal früher gesagt (lacht). Aber ich war immerhin an Ihrem Ernährungsstand in der BayArena und habe einen dieser leckeren Smoothies probiert. (Anmerk. d. Redaktion: Die BERGISCHE war mit einem Ernährungsstand am 1. Oktober 2020 auf dem B04 Trödelmarkt in der BayArena vertreten.)

Die Smoothies waren wirklich lecker. Schön, dass Sie vorbeigeschaut haben. Aber apropos BayArena. Was wünschen Sie sich in naher Zukunft für die Fans?

Paffrath: Ich wünsche mir, dass es bald einen Impfstoff gegen das Corona Virus gibt und wir alle wieder zu einem Stück Normalität zurückfinden - sei es im Stadion oder generell im Alltag. Menschen glücklich zu machen, ist ja die Kernaufgabe eines Fanbeauftragten. Ich freue mich wieder auf volle Stadien und dass wir alle wieder gemeinsam jubeln, feiern, lachen, trauern, gewinnen und verlieren. Und natürlich wünsche ich mir eine erfolgreiche Spielzeit der Werkself. Das Erreichen der Champions League wäre doch mal wieder was (lacht).

Dem können wir uns nur anschließen. Auch wir von der BERGISCHEN freuen uns wieder vor Ort in der BayArena zu sein und mit den Fans zu sprechen und Gesundheitsaktionen durchzuführen. Herr Paffrath, ich danke Ihnen für das angenehme Interview. Im Namen der BERGISCHEN wünschen wir Ihnen alles Gute für die kommenden Aufgaben.

Das Interview führte Michael Ganter von der BERGISCHEN Krankenkasse.

Weitere Informationen zur Partnerschaft mit Bayer 04 Leverkusen unter www.bergische-krankenkasse.de/b04. Eine Übersicht der Leistungsangebote der BERGISCHEN finden Sie unter www.bergische-krankenkasse.de/leistungsstark.

zur Blogübersicht

Danke für das Feedback!

Ihre Meinung ist uns sehr wichtig und hilft uns intern bei der Aufbereitung von Artikeln. Ihre Bewertung wird nicht veröffentlicht und es werden keine persönlichen Daten gespeichert.

BEITRAG BEWERTEN
Beitrag teilen