"Der Fußball kann eine Brücke sein!"

In einem Interview mit der BERGISCHEN KRANKENKASSE schildert Linda Schöttler - Koordination der Frauenabteilung bei Bayer 04 Leverkusen - wie wichtig die eigene Vorsorge ist und inwieweit Frauen für Männer diesbezüglich eine gewisse Vorbild- und Vorreiterrolle einnehmen können.

Michael Ganter: Frau Schöttler, Sie sind für die Koordination der Frauenabteilung bei Bayer 04 Leverkusen verantwortlich. Möchten Sie uns verraten, wie Ihre tägliche Arbeit aussieht?

Linda Schöttler: Ja, gerne (lacht). Meine tägliche Arbeit ist in der Tat sehr vielfältig. Neben administrativen Aufgaben – Vertragsgespräche mit den Spielerinnen, Budgetplanung und Verwaltung – arbeite ich auch mit unseren Betreuerinnen, dem Trainerstab und natürlich in gewisser Weise auch mit der Mannschaft an sich zusammen. Ganz besonders an Spieltagen geht es um viel Organisatorisches: In welchem Hotel übernachten die Spielerinnen? Wo können sie trainieren? Welche Trikots müssen mitgenommen werden und was passiert bei Spielverlegungen? Sie hören es vielleicht heraus: einen sturen Tagesablauf habe ich nicht, was ich definitiv begrüße. Die tägliche Routine, aber auch Abwechslung, machen diesen Job so einzigartig.

Ganter: Wenn wir gerade bei Routinen sind: Wie wichtig ist für Ihre Spielerinnen die eigene Gesundheitsvorsorge? Gerade im Profisport ist die richtige Vorbereitung und Vorsorge doch essenziell für den Erfolg, oder?

Schöttler: Unsere Spielerinnen sind sehr bedacht, wenn es um die Themen Vorsorge und Gesundheit geht. Sie hören in ihren Körper hinein und haben ein gutes Gespür für das, was ihnen guttut und was nicht. Eine gute bzw. gesunde Vorbereitung ist der Grundpfeiler für sportlichen Erfolg. Dazu zählen sportmedizinische Untersuchungen, um den Gesundheits- und Leistungszustand der Spielerinnen zu erfassen. Kopfscreenings helfen dabei, Gehirnerschütterungen auszuschließen. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil gehören natürlich ebenfalls dazu. Was mir auffällt, ist die Tatsache, dass das Elternhaus hierbei oftmals eine wichtige Rolle spielt. Das merke ich besonders bei den jüngeren Spielerinnen. Je intensiver Eltern ihren Töchtern vorleben, wie wichtig die eigene Gesundheitsvorsorge ist, desto weniger müssen wir als Verein selbst aktiv werden.

Ganter: Da sagen Sie etwas Wahres. Auch uns als Krankenkasse ist es täglich ein wichtiges Anliegen, unsere Versicherten darüber aufzuklären, dass ihnen ein breites Spektrum an gesetzlichen Leistungen und Zusatzleistungen zur Verfügung stehen. Das ist vielen Versicherten gar nicht bewusst, was gesetzliche Krankenkassen bezuschussen. (Anmerk. d. Redaktion: Auf www.bergische-krankenkasse.de/vorsorge klärt die BERGISCHE KRANKENKASSE über Vorsorgeleistungen gesetzlicher Krankenkassen auf). Ein wichtiges Thema ist dabei die Krebsvorsorge. Im Mai 2021 nahmen vier Ihrer Spielerinnen - Kristin Kögel, Juliane Wirtz, Nina Brüggemann und Anna Wellmann (Anmerk. d. Redaktion: spielt mittlerweile beim 1. FCC Turbine Potsdam) - an einem Shooting zu unserer Krebsaufklärungskampagne #touch teil. Wie haben Ihre Spielerinnen unsere #touch Krebs Aufklärungskampagne im Nachgang aufgenommen? Und hat sich seit unserem gemeinsamen Shooting die Wahrnehmung bzw. die Sensibilisierung für die eigene Gesundheit verändert?

Schöttler: Was ich auf jeden Fall sagen kann, ist, dass die Mädels das Thema Brustkrebs und Krebs im Allgemeinen bewusster wahrnehmen und ihre Sinne für die eigene Krebsvorsorge geschärft wurden. Bei der einen oder anderen Spielerin waren Schicksalsschläge aus dem eigenen Umfeld ausschlaggebend, weshalb sie an der Kampagne teilgenommen haben. Bei allen überwiegt der Stolz, Teil dieser Kampagne gewesen zu sein. Und dass die Vier mit ihrer Botschaft auch für unsere jüngeren Spielerinnen ein Vorbild sein können, ist wirklich ein tolles und wichtiges Zeichen. (Anmerk. d. Redaktion: Weitere Infos zum Shooting mit den B04 Spielerinnen auf www.bergische-krankenkasse.de/touch).

Ganter: Das freut und ehrt uns sehr, vielen Dank. Würden Sie sogar so weit gehen und sagen, dass Sportlerinnen bzw. Fußballerinnen ein Stück weit die Vorreiterrolle beim Thema Gesundheitsvorsorge einnehmen und Männer dadurch stärker für die eigene Gesundheit sensibilisieren können? Statistisch gesehen ist es nach wie vor so, dass Männer seltener zum Arzt gehen als Frauen.

Schöttler: Ja, ich glaube, dass das möglich ist. Frauen nehmen die eigene Vorsorge selbstverständlicher wahr als Männer. Für einen Mann ist es vermutlich eher unüblich, in regelmäßigen Abständen zum Urologen zu gehen. Der Fußball kann eine Brücke sein, um darüber aufzuklären. Der Körper und die eigene Gesundheit sind das größte Kapital, das wir haben. Vielleicht gelangen wir eines Tages an den Punkt, dass die Vorsorge für beide Geschlechter selbstverständlich wird.

Ganter: Das wäre wirklich wünschenswert. Apropos Wünsche: Zum Abschluss würde mich interessieren, was Sie sich für die kommende Zeit wünschen - beruflich und privat.

Schöttler: Ok, dann fange ich mal mit den beruflichen Wünschen an (lacht). Ich wünsche mir, dass wir bei Bayer 04 den eingeschlagenen Weg fortsetzen, weiterhin so erfolgreich arbeiten und das tolle Mannschaftsgefüge so bestehen bleibt. Privat wünsche ich mir, dass wir alle wieder ein Stück weit solidarischer miteinander umgehen. Ich vermisse in der Öffentlichkeit an der einen oder anderen Stelle das Wir-Gefühl. Die gegenwärtigen Herausforderungen benötigen ein hohes Maß an Zusammenhalt. Wir sollten wieder lernen, an einem gemeinsamen Strang zu ziehen.

Ganter: Frau Schöttler, vielen Dank für das schöne Schlusswort. Ich danke Ihnen vielmals für das Gespräch.

Das Interview führte Michael Ganter von der BERGISCHEN KRANKENKASSE.