„Der Profi-Fußball kann Vorbild sein“

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Interview mit Dr. Karl-Heinrich Dittmar

Dr. Karl-Heinrich Dittmar, Leitender Mannschaftsarzt bei Bayer 04 Leverkusen, beantwortet in einem Gespräch mit der BERGISCHEN Krankenkasse Fragen zum Coronavirus, gibt einen Einblick bei der Werkself, dem Profi-Fußball und gibt Ratschläge wann eine Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung für den Breitensport sinnvoll sein kann.

Herr Dr. Dittmar, das Coronavirus ist nach wie vor das beherrschende Thema in der Öffentlichkeit und im Sport. Als Pandemiebeauftragter von Bayer 04 Leverkusen konnten Sie mit einigen Expertise-Beiträgen dazu beitragen, dass die Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb vor einem Jahr, zusammen mit der DFL, ein funktionierendes und bewährtes Hygienekonzept auf die Beine stellen konnte.

Trotzdem hört man immer wieder, dass sich Spieler anstecken. Wie kann das passieren? Stecken sich Spieler auch untereinander an? Und wie wird das bei Bayer 04 Leverkusen gehandhabt?

Dr. Karl-Heinrich Dittmar: Zunächst ist es mir wichtig zu betonen, dass die Spieler sich nicht untereinander anstecken. Eine Ansteckung untereinander ist bei Bayer 04 und in der ganzen Bundesliga nahezu nicht aufgetreten. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich keine umfassende Sicherheit. Jeder Spieler hat Familie, Freunde, Kinder und geht ganz normal einkaufen, wie jeder andere auch. Manchmal ist es auch ganz einfach Pech, sich mit dem Coronavirus anzustecken, egal wie sehr man sich an die Vorschriften und Hygienekonzepte hält. Bei Bayer 04 Leverkusen achten wir auf ein hohes Maß an Sicherheit und haben strenge Vorkehrung getroffen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Wir testen täglich vor den Trainingseinheiten und Spielen und trotzdem sind wir nicht gänzlich davor geschützt. Aber der Fußball hat nach einem Jahr bewiesen, dass die Hygienekonzepte greifen. Da können wir sicherlich sehr zufrieden sein. Dennoch sind wir auch nach einem Jahr demütig und auch wenn wir unserem Beruf nachgehen, wissen wir, dass wir hier ein besonderes Privileg haben.

Glauben Sie, dass es bald zu Lockerungen im Breitensport kommen wird? Falls ja: Wie könnten diese aussehen?

Dr. Dittmar: Ich hoffe sehr, dass es nun bald zu Lockerungen im Breitensport kommen wird. Besonders für unsere Kinder und Jugendlichen wäre das ein wichtiges Signal, dass sie ihrer Sportart wieder nachgehen können. Ich denke, dass der Profi-Fußball mit seinem Hygienekonzept eine Art Vorbild sein kann. Diese Sicherheitsvorkehrungen können im Breitensport genauso umgesetzt werden, vor allem für Outdoor-Sportarten. Wussten Sie eigentlich, wie lange der direkte bzw. der Face to Face Kontakt beim Fußball während der 90 Spielminuten ist?

Puh, schwierig. Ich vermute mal ca. 15 Minuten, so wie es im Hygienekonzept vorgeschrieben ist?

Dr. Dittmar: 30 bis maximal 60 Sekunden!

So wenig? Ok, das hätte ich jetzt nicht vermutet. Wahnsinn!

Dr. Dittmar: Ja, das täuscht gewaltig! (lacht)

Das lässt mich gut zu meiner nächsten Frage überleiten. Wie hoch ist generell Ihrer Meinung nach die Ansteckungsgefahr bei sportlichen Aktivitäten? Gibt es Unterschiede im Fitnessstudio oder draußen beim gemeinsamen Joggen?

Dr. Dittmar: Generell lässt sich sagen, dass bei sportlichen Aktivitäten die Atemfrequenz erhöht ist und man dementsprechend mehr Atem ausstößt. Alleine diese Tatsache kann das Ansteckungsrisiko erhöhen, wenn man im unmittelbaren Kontakt ist. Aber es gibt wichtige Unterschiede. In geschlossenen Räumen ist die Ansteckungsgefahr um ein Vielfaches höher, wenn die Luft nicht zirkulieren kann. Ihr Beispiel mit den Fitnessstudios trifft es ganz gut. Nicht alle Fitnessstudios haben Belüftungsanlagen, geschweige denn die Möglichkeit regelmäßig und konstant zu lüften. Je nach Größe, Bauart und Fläche des Studios ist das auch nicht zu schaffen. Das ist dann natürlich ein deutlich höheres Risiko als wenn man draußen Sport macht. Demnach ist die Ansteckungsgefahr bei Ihrem zweiten Beispiel, dem Joggen, viel geringer. Wenn man den Abstand von 1,5 Metern einhält, spricht absolut nichts dagegen gemeinsam zu joggen.

Glauben Sie, dass es bald wieder Zuschauer in den Stadien geben wird?

Dr. Dittmar: Wie es in der nächsten Saison aussieht? Das weiß Stand heute keiner, aber wir sind guter Dinge, dass ab Herbst zumindest ein prozentualer Anteil an Zuschauern wieder in die Stadien darf. Das ist auch notwendig. Davon hängt so viel ab. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass uns die Fans weiterhin die Treue halten. Fußball lebt von den Emotionen und das fehlt seit einem Jahr an vielen Ecken und Enden.

Zuschauer in den Stadien, das hieße, dass bis Herbst bereits ein Großteil der Menschen durchgeimpft ist. Das Thema Corona-Impfstoffe wird nach wie vor heiß diskutiert. Wie schätzen Sie die derzeitige Lage ein?

Dr. Dittmar: Klar ist, dass der Bedarf immer noch größer ist als das Angebot. Auch, wenn bei einigen Menschen mittlerweile das Vertrauen fehlt und Impftermine teilweise versäumt werden. Aber Impftermine zu versäumen, ist absolut nicht ratsam. Es gibt beim Thema Impfen unterschiedliche Ängste, die eine nicht unwichtige Rolle spielen: Die Angst vor der Infektion und die Angst vor der Impfung. Die Angst vor der Infektion ist abstrakt und nicht greifbar. Man sieht, spürt und schmeckt das Virus nicht. Dem steht die Angst vor der Impfung, repräsentiert durch die Spritze, entgegen, die konkret ist und auf einer emotionalen Ebene im Gehirn in einem anderen Hirnabschnitt abläuft. Man kann die Spritze sehen und verspürt Schmerzen beim Einstich. Deshalb werden auch mögliche Nebenwirkungen emotionaler gesehen. Die Risikobewertung wird über diesen Mechanismus in die Irre geführt und die Menschen haben teilweise mehr Angst vor der Impfung, als vor der Infektion, was medizinisch eindeutig falsch ist.

Dennoch ist das Impfen die zentrale Strategie in der Bekämpfung der Pandemie bevor die Mutation des Virus durchschlägt. Je mehr sich impfen lassen, desto schneller erreichen wir die Herdenimmunität. Wir müssen uns wieder bewusstmachen, dass das Impfen der Grundstein unseres gesundheitlichen Fortschritts der vergangenen Jahrhunderte war und auch immer noch ist.

Dem können wir uns nur anschließen. Kommen wir noch einmal auf das Sportliche zu sprechen. Wir, als BERGISCHE Krankenkasse, wollen das sportliche Engagement unserer Versicherten fördern und bezuschussen aus diesem Grund die Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung mit bis zu 300 € im Jahr. Können Sie unseren Versicherten aus Ihrer Sicht erläutern, was bei dieser Untersuchung gemacht wird und wann eine solche Untersuchung sinnvoll ist?

Dr. Dittmar: Das lässt sich pauschal nicht so leicht beantworten. Es gibt drei Faktoren, die dabei eine Rolle spielen. A: Die Sportart, die man ausüben will. B: Der eigene Lebensstil und C: Die bisherigen Vorerkrankungen. Dazu ist in erster Linie ein Vorgespräch mit einem Sportarzt oder dem Hausarzt notwendig. In der Regel wird das Herz-Kreislauf-System mit einem Belastungs-EKG untersucht. Ab einem gewissen Alter wird eine Herzultraschalluntersuchung durchgeführt, um zu schauen, ob mit dem Herz alles in Ordnung ist. Eine Blutuntersuchung ist sinnvoll, wenn Blutarmut bzw. Eisenmangel vorliegt. In diesem Fall wäre ein spontaner Marathonlauf nicht ratsam (lacht). Ist die Sportart sehr muskelintensiv, lohnt es sich die Nierenwerte zu kontrollieren, denn bei einem großen Muskelkater kann es zu einer Verstopfung der Nieren kommen. Aber auch die Körperhaltung liefert bereits wichtige Indizien. Hat der Patient Plattfüße, einen Senkfuß oder eine schiefe Wirbelsäule, lassen sich dadurch schon einige Dinge ableiten. Für die Wahl der Sport- oder Laufschuhe sind das essentielle Faktoren. Sie sehen, es gibt verschiedene Gründe, wann eine Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung sinnvoll ist. Umso besser, dass es Krankenkassen wie die BERGISCHE gibt, die ihre Versicherten zu mehr Bewegung animieren will und diese Untersuchung bezuschusst.

Das machen wir gerne! Das heißt je nach Sportart ist auch die Sportmedizinische Vorsorgeuntersuchung unterschiedlich?

Dr. Dittmar: Ganz genau! Je nach Sportart muss man spezifisch hinschauen und auch die bisherige Vorgeschichte in Betracht ziehen. Hat derjenige die Sportart schon mal ausgeübt oder ist er blutiger Anfänger und will sich neu ausprobieren? Im Endeffekt geht es ja darum schwerwiegende oder langwierige Verletzungen im Vorfeld zu vermeiden.

Apropos Sportarten und Verletzungen: Welche typischen Verletzungen gibt es im Fußball und welche sind davon am kompliziertesten bzw. langwierigsten?

Dr. Dittmar: Im Fußball zählt der Kreuzbandriss zu den langwierigsten und kompliziertesten Verletzungen. Nicht nur, dass der betroffene Spieler fast ein ganzes Jahr auszufallen droht, es ist auch unklar, ob er nach der Genesung jemals wieder sein altes Leistungspotential erreicht. Knorpelschäden im Knie sind ebenfalls sehr kompliziert. Knorpel regeneriert sich so gut wie gar nicht und das kann dann ein schleichendes Karriereende zur Folge haben. Bei einem Achillessehnenriss ist man ein gutes Jahr außer Gefecht gesetzt.

Gibt es auch Sportarten bei denen man weitestgehend „gesund“ bleibt? (lacht)

Dr. Dittmar: (lacht) Mit Schwimmen macht man wenig falsch und vieles richtig. Die Bewegungen im Wasser sind gelenkschonend und man trägt nur sein eigenes Körpergewicht. Aber auch beim Schwimmen wird das Herz-Kreislauf-System beansprucht. Man kann das also nicht pauschalisieren. Jede Sportart hat Risiken oder ist je nach Alter besser oder weniger gut geeignet.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was wünschen Sie sich für die nahe und ferne Zukunft?

Dr. Dittmar: Privat wünsche ich mir, dass meine Familie gesund bleibt und wir in der Gesellschaft die Coronakrise als Chance sehen und daraus lernen. Die Krise ermöglicht uns Wege neu zu denken und zu gehen. Im Sinne der Digitalisierung wird sich einiges in Zukunft ändern. Es werden neue Berufsfelder entstehen, an die wir noch gar nicht denken. Das sind spannende Entwicklungen. Für Bayer 04 wünsche ich mir, dass wir eines Tages wieder einen Titel holen (lacht). Es gab ja in unserer Historie das eine oder andere Spiel, wo wir auch als Gewinner hätten vom Platz gehen können. Alternativ nehme ich aber auch gerne fünf Jahre in Folge die Qualifikation zur Champions League (lacht).

Als offizieller Gesundheitspartner drücken wir der Werkself gerne die Daumen und hoffen, dass Ihr Wunsch in Erfüllung geht! Herr Dr. Dittmar, im Namen der BERGISCHEN Krankenkasse danke ich Ihnen ganz herzlich für das angenehme Gespräch.

Das Interview führte Michael Ganter von der BERGISCHEN Krankenkasse

Weitere Informationen zur Partnerschaft mit Bayer 04 Leverkusen unter www.bergische-krankenkasse.de/b04. Eine Übersicht der Leistungsangebote der BERGISCHEN finden Sie unter www.bergische-krankenkasse.de/leistungsstark.

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