Wie bringt man eigentlich Kinder dazu, Essen zu akzeptieren? Insbesondere gesundes? Diesen Zaubertrick haben viele Familien in der Lockdownzeit mit ihrem neuen Hobby intuitiv gemeistert. Wir verraten euch, welches das ist. Außerdem: Was ist bei der Ernährung von Kindern wichtig?

Koch doch mal selbst!

Kochst du gern? Dann geht es dir so wie vielen anderen Kindern, die in der Coronazeit das Kochen für sich entdeckt haben. Die einen kochen mit den Eltern zusammen, die anderen schon alleine.

So wie Lilly (12) und Ben (9) aus Solingen, die in der neuen Ausgabe unseres Kundenmagazins von ihrer Kochsafari erzählen.

Selber Kochen macht lecker satt

Der schönste Weg, Kinder an gutes Essen heranzuführen, ist: selber kochen! Durch die Beschäftigung mit den einzelnen Zutaten finden sie einen guten Zugang zum Essen. Sie erleben ihre Lebensmittel kindgerecht mit allen Sinnen: anfassen, riechen, sehen, probieren und Finger abschlecken. So sind sie auch eher bereit, mal etwas Neues zu probieren. Die zusammen verbrachte Zeit ist Balsam für die Kinderseele. Auch die Vorbildfunktion spielt beim Essen eine große Rolle, das ist sogar wissenschaftlich belegt (mehr dazu am Ende dieses Artikels). Und natürlich macht es den Küchenzwerg am Ende stolz, „mitgeholfen“ und eine eigene Mahlzeit geschaffen zu haben.

Für viele Familien sind auch die gemeinsamen Mahlzeiten ein Ritual, das Gemeinschaft schafft. Es ist eine Zeit, in der man sich austauscht und einander vom Tag erzählt. Das schafft Vertrauen – eine gute Basis fürs Leben!

Gadgets für kleine Kochtopfzauberer

Kein Kochen ohne Schneiden – aber womit? Große scharfe Messer sind für ein Kind zu gefährlich und zudem unhandlich. Kleine Hände brauchen kleines Werkzeug. Das haben auch die Hersteller entdeckt, und so gibt es tolles Kochzubehör für die kleinen Köche zu kaufen. Allem voran der Schneidschutz, der die Finger beim Schnippeln und Hacken vor der Messerklinge schützt. Ebenfalls praktisch: Ein Wiegemesser für Kräuter und Co. Da sind beide Hände an den Griffen gut aufgehoben und kommen der Klinge sicher nicht zu nahe. Auch ein Schälmesser für Obst und Gemüse eignet sich gut zum Üben.

Sicher kochen mit Kindern

Wenn Kinder mit am Herd stehen, sollte gefährliches Werkzeug außer Reichweite sein. Die Kleinsten starten ganz ohne Werkzeug: Teig kneten können auch Kindergartenkinder. Für sie ist das ein tolles sinnliches Erlebnis – da darf auch mal ein Finger abgeschleckt werden. Größere Kinder können mit einem kleinen Küchenmesser schneiden üben. Als erstes bringt ihr dem Küchenzwerg den Krallengriff bei.

Schön scharf schnippeln

Schon gewusst: Mit einem stumpfen Messer ist die Verletzungsgefahr höher. Warum? Weil du beim stumpfen Messer mehr Kraft aufwenden musst und eher mal abrutschst. Schneidest du dich, ist die Wunde dadurch auch tiefer. Mit einem scharfen Messer geht die Arbeit fix von der Hand.

Kinder gesund ernähren:

Unsere Fünf-Fakten-Faustregel

Wie war das noch mal: Was ist bei der Ernährung von Kindern wichtig? Wir haben es als Faustregel in fünf schnellen Fakten für euch zusammengefasst.

  1. Viele Getreideprodukte, etwas weniger Eiweißprodukte, möglichst wenig Zucker und Fett
  2. Besser viele kleine Mahlzeiten als wenige große
  3. Viel trinken – aber richtig! Wasser, ungesüßter Tee und Fruchtschorlen sind am besten. Trinkpäckchen und Softdrinks enthalten viel Zucker, besser vermeiden.
  4. Satt heißt satt: Ein gesundes Hungergefühl ist die beste Basis für einen gesunden BMI*. Signalisiert ein Kind, dass es genug hat, sollte es nicht zum Weiteressen gedrängt werden.
  5. Fünf am Tag: Fünf Portionen Obst oder Gemüse sollten die Kurzen täglich verputzen.

Und noch ein spannender Fakt:

Wusstet ihr, dass Kinder phasenweise mehr Kalorien (ver)brauchen als ein Erwachsener? Gerade in den Wachstumsphasen hauen die Kurzen daher oft rein, dass uns Hören und Sehen vergeht.

  • Jungs in der Pubertät brauchen zeitweise 2500 bis 3000 Kalorien pro Tag!
  • Bei Mädchen sind es im gleichen Alter nur 2200 Kalorien.
  • Manche Kinder haben grundsätzlich einen geringen Nahrungsbedarf, obwohl sie sportlich und aktiv sind. Auch das gibt’s.

BMI: Orientierung für alle?

Die Abkürzung BMI steht für Body-Mass-Index, zu Deutsch: Körpermassenzahl. Der BMI bemisst, in welchem Verhältnis das Körpergewicht eines Menschen zu seiner Größe steht. Daraus ergibt sich eine ungefähre Orientierung, ob jemand untergewichtig, normal-, über- oder stark übergewichtig ist. Für die Gesundheit spielt das eine große Rolle, da dauerhaftes Übergewicht zahlreiche Herz-, Kreislauf- und sogar Krebserkrankungen begünstigt. Der BMI ist also nicht etwa ein Folterwerkzeug für Figurfanatiker, sondern bietet echte gesundheitliche Orientierung.

Wichtig zu wissen: Da Muskelmasse schwerer ist als Fettgewebe, ist der BMI immer mit Blick auf die individuelle Person zu interpretieren.

 

Wissenschaft vom Essen

Eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health hat im Jahr 2015 gezeigt, dass selber Kochen gesund ist. „Wenn Menschen die meisten ihrer Mahlzeiten zu Hause kochen, nehmen sie weniger Kohlenhydrate, weniger Zucker und weniger Fett zu sich“, heißt es von der Studienleiterin Julia A. Wolfson. Erstaunlich: Wer regelmäßig selbst kocht (6–7 Mal pro Woche), nimmt selbst dann weniger Kalorien zu sich, wenn er doch mal auswärts isst, ergab die Studie.

Bezogen auf Kinder und Jugendliche stellte „EsKiMo“ (Ernährungsstudie als KiGGS-Modul) fest, dass ungesunde Ernährungsgewohnheiten wie zu viel Fastfood oft im Jugendalter beginnen. Diese Studie des Robert Koch-Instituts und der Universität Paderborn kam 2007 ebenfalls zu dem Ergebnis, dass „nur sehr wenige Kinder und etwas mehr Jugendliche […] die empfohlenen Verzehrsmengen für Obst und Gemüse“ erreichen. Hinzu kommt ein zu hoher Anteil an Fleisch und Wurst in der Ernährung. Die tierischen Fette enthalten viele gesättigte Fettsäuren, und ein übermäßiger Konsum begünstigt mehrere Krebsarten.

Die I.Family-Studie mehrerer europäischer Universitäten fand 2017 heraus, dass das soziale Umfeld von Kindern einen großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit von Übergewicht hat. Außerdem ähneln sich die Familienmitglieder „bei Körpergewicht, den Risiken für Krankheiten und dem Ernährungsverhalten. Kinder sind dabei ihren Müttern ähnlicher als den Vätern.“ Aber auch der Freundeskreis spielt, ganz besonders bei Teenagern, eine große Rolle dafür, wieviel ein Jugendlicher sich bewegt und wie oft es zu ungesunden Lebensmitteln greift.