Kinder und Gaming

Ist Zocken gut für mein Kind?

Ist Gaming gut oder schlecht für mein Kind? Welche positiven Seiten hat das Zocken? Was sind eSports? Wie lange darf ein 12Jähriger spielen? Gesund gamen – geht das? Soll ich meinem Kind Ballerspiele erlauben? Was tun, wenn Kinder zu viel zocken?
Überhaupt: Welche Rolle spielen Medien für die Familie? Gaming und Familie ist ein Thema, das Eltern vor viele Fragen stellt. Wir beantworten sie für euch. Unvoreingenommen und aus aktuellster Perspektive. Für die fachliche Expertise haben wir mit dem Medienpädagogen Andreas Pauly gesprochen.

Spielen an sich hat seinen Wert. Egal, ob ich ein Brettspiel spiele oder Fifa.

Good game – bad game?

Gaming hat viele Seiten

Kinder und Medien

Medien, besonders in den Händen von Kindern und Jugendlichen, erfordern Fingerspitzengefühl. Konsum, Körper, Bewegung und Ernährung sollte eine erhöhte Aufmerksamkeit zukommen. Während wir eSports fördern, promoten wir ganz aktiv das Bewusstsein für die Selbstverantwortung. Sport ist immer dann gesund, wenn man es richtig angeht. Das ist unser Ziel. Auch beim eSport.

Medienzeiten

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nennt Richtwerte, wie lange Kinder und Jugendliche bildschirmgebundene Medien nutzen sollen – Stichwort Medienkompetenz. Für Zwölfjährige sind das beispielsweise maximal zwei Stunden täglich.

Die Angaben sind Orientierungshilfen. „Manche Eltern werden sagen, zwei Stunden sind ja total viel! Andere empfinden es vielleicht als wenig, weil Fernsehen, Handy und Konsole dazu zählen“, sagt Andreas Pauly. Deswegen sei es immer wichtig zu beobachten, wie ein Kind reagiert. Das eine schläft gut ein, wenn es zwischen Abendessen und Schlafen noch eine Stunde fernsieht oder zockt, das andere findet danach keine Ruhe. Kinder sind unterschiedlich, und danach sollten sich die Medienzeiten richten.

Gaming ist ein attraktives Hobby

Die Frage, ob Zocken gut oder schlecht ist, beantwortet uns der Medienpädagoge Andreas Pauly: „Man darf zocken und man sollte zocken! Als Hobby ist das eine attraktive Freizeitbeschäftigung. Aber es muss ein zeitliches Maß finden und ich muss mein Motiv klar haben.“

Denn letztendlich kommt es gar nicht darauf an, was wir spielen oder wobei wir uns entspannen. „Spielen an sich hat ja seinen Wert. Ob ich Mensch-ärgere-dich-nicht spiele, ein anderes Brettspiel oder ob ich eben FIFA spiele. Es hat seinen Wert, sich mit anderen auszutesten, zu reagieren, zu spielen.“ 

Als Hobby ist Zocken eine attraktive Freizeitbeschäftigung.

Sollte jedes Kind

ein bisschen zocken?

Zu den guten Seiten des Gamings gehören die sozialen Aspekte. Sollte also jedes Kind Medien nutzen, um nicht etwas zu verpassen? Medienexperte Andreas Pauly verneint das. „Ich würde keine schlafenden Hunde wecken“, sagt er. „Wenn das Kind schön draußen mit seinen Freunden Fußball spielt, und dann komme ich und sage: »Jetzt können wir doch deine Lieblingsserie bei Netflix gucken!« – das hört sich wie Kindeswohlgefährdung an, oder?!“ Eltern sollten darauf vertrauen, dass die Jugendlichen ihre Interessen selbst finden. Das präge auch das soziale Netz. „Helikoptereltern denken vielleicht, wenn das Kind das gerade angesagte Game nicht spielt, dann ist es in der Gruppe außen vor. Ich würde das aber nicht forcieren“, meint Pauly.

Fortnite oder Markenkleidung: Selbstbewusstsein hilft

Der Medienpädagoge rät zu einem Perspektivwechsel: „In unserer Jugend wollten wir bestimmte Turnschuhe oder Jeans haben. Aber wenn meine Eltern sie nicht gekauft haben, wurde ich deswegen nicht gleich zum Außenseiter!“ Es komme vielmehr darauf an, Kinder gesellschaftlich zu stärken. „Selbstbewusstsein ist für ein Kind ein Schutzfaktor für viele Bereiche. Wenn ich das habe, bin ich nicht davon abhängig, ob ich Fortnite spiele, WhatsApp habe oder bestimmte Markenklamotten trage.“ Wenn die Kinder aber solche Themen mitbrächten, sollten Eltern anbieten, mit ihnen darüber zu sprechen und Vor- und Nachteile aufzuzeigen. Sein Fazit: „Zocken oder nicht? Das ergibt sich so.“

WhatsApp, Fortnite und Co – oft ist das eine Frage von sozialem Status. Da hilft am besten ein gesundes Selbstbewusstsein.

Ein Junge spielt auf dem Tablet ein Game

Gaming im Lockdown

Während der Coronazeiten wurde in vielen Familien mehr gezockt. Viele Kinder nutzten das Gaming als Ablenkung von den Lockdown-Beschränkungen. Eine Studie hat das Medienverhalten von Kindern während der Lockdowns untersucht und kam zu einigen überraschenden Ergebnissen.

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Absprachen, Augenmaß

und Alternativen

Pauly rät, feste Medienzeiten mit den Kindern abzusprechen. Über Apps wie familiylink oder kisi können Eltern einstellen, wie lange ein Kind sein Handy nutzen kann. Auch die Playstation lässt sich programmieren. Ein weiterer Tipp vom Experten: „Wichtig finde ich gerade bei jüngeren Kindern, dass die Fritzboxx abends kein Internet ermöglicht. So können die Kinder nachts nicht spielen und der Tag-Nacht-Rhythmus bleibt gewahrt.“ Vorher Gedanken machen, ausprobieren und frühzeitig Einschränkungen machen, wenn man feststellt, es wird zu viel: Das ist laut Pauly die sicherste Methode.

Außerdem sollten Eltern das Freizeitverhalten im Blick haben und auch andere Beschäftigungen fördern. Hat das Kind noch Interesse an der Schule, trifft es reale Freunde oder gibt es ein reales Hobby? „Eltern müssen manchmal erst einen Widerstand überwinden. Wenn sie einen Ausflug vorschlagen und das Kind automatisch antwortet: »Nein, keine Lust, ich zocke lieber«, muss man gerade jüngere Kindern manchmal zwingen. Am Ende finden sie es vielleicht doch auch im Wald schön.“

USK, FSK und PEGY

Was bedeuten die Kennzeichnungen?

  • USK: Verpflichtende Altersvorgabe für Unterhaltungssoftware, unterhalb derer ein Spiel nicht zugänglich gemacht werden darf.
     
  • PEGY: Pan European Game Information, die internationale Alterskennzeichen für Spiele. Markiert zusätzlich, welche Art von problematischen Inhalten vorkommen.
     
  • FSK: Bindende Altersvorgabe für Filme. Ausnahme: In Begleitung der Eltern dürfen Kinder ab sechs Jahren auch Kinofilme mit der Altersfreigabe ab 12 besuchen.

Spiele ab 12 Jahren für jüngere?

Wie wichtig sind die Altersfreigaben?

Altersempfehlungen helfen, geeignete Spiele und Programme für Kinder zu erkennen. Doch wenn in der 5. Klasse alle Mitschüler WhatsApp nutzen, das ab 16 freigegeben ist, der große Bruder mit 17 Spiele mit Altersfreigabe ab 18 zockt und das jüngere Geschwister das auch will – wie argumentiert man als Eltern? 

Die letzte Entscheidung liegt immer bei den Eltern. Doch Andreas Pauly hat einen ganz einfachen Appell: „Die Altersfreigaben schützen Kinder davor, mit Inhalten, die für sie nicht geeignet sind, in Kontakt zu kommen. Meine Frage an Eltern an dieser Stelle ist: Würden Sie dieselbe Diskussion auch führen, wenn es um Alkohol ginge?!“

Minecraft mit Mama und Playsi mit dem Papa

Gemeinsames Zocken verbindet

Gemeinsam Zeit verbringen stärkt die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Das gilt auch fürs gemeinsame Zocken. Kinder merken, wenn die Eltern sich dafür interessieren, was sie machen, erklärt der Experte Andreas Pauly. Die gemeinsame Zeit an der Konsole schafft eine Gesprächsbasis. „Diese Wertschätzung sollte sich aber auch dahingehend äußern, dass ich mit dem Kind im Gespräch bleibe und mitkriege, wenn die Zeit zu lang wird“, so Pauly.

Fragen und Antworten

Ist Zocken gut für Kinder?

Gaming hat positive Seiten, wenn es altersgerecht gehandhabt wird. Es kann soziale Fähigkeiten, Konzentration und räumliches Denken fördern. Wichtig sind jedoch eine angemessene Dauer – also nicht zu lange – und dass Games gespielt werden, die für das Alter des Kindes geeignet sind.  

 

Sind Videospiele schädlich für Kinder?

Nein, grundsätzlich schaden Games Kindern nicht. Anders sieht es aus, wenn das Kind laut Alterskennzeichnung oder aufgrund seiner persönlichen Entwicklung zu jung für ein Spiel ist. Auch die tägliche Spieldauer sowie äußere Faktoren – Gamingstuhl, Abstand vom Bildschirm, Bildqualität, Ernährung – spielen eine Rolle.

Ist Zocken gut oder schlecht?

Gaming ist beides: gut und schlecht. Gut: Weil es soziale Fähigkeiten, räumliches Denkvermögen, Konzentration und Reaktionsvermögen schulen kann. Schlecht: Weil es zu Sucht und seelischen Beeinträchtigungen führen kann, wenn es überhandnimmt oder man über Altersfreigaben hinweggeht.

Wie lange sollte ein 12-Jähriger zocken?

Ein Kind von zwölf Jahren sollte laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) nicht mehr als zwei Stunden pro Tag Medien zum Spaß nutzen. Das heißt: Videospiele, Aktivitäten am Computer und Handynutzung zählen dazu, Homeschooling dagegen nicht. 

Für jüngere Kinder rät die BZgA: 

  • Kinder bis 3 Jahre: keine Bildschirmmedien nutzen 
  • Kinder zwischen 3 und 6 Jahren: höchstens 30 Minuten täglich
  • Kinder zwischen 6 und 10 Jahren: höchstens 45 bis 60 Minuten täglich