BERGISCHE-Vorständin Sabine Stamm im Gespräch

"Für mich ist das eine Herzensangelegenheit"

Seit dem Frühjahr ist BERGISCHE-Vorständin Sabine Stamm Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Gesundheitsservice in Leverkusen. Sie setzt sich dafür ein, die gesundheitliche Entwicklung von Familien und Kindern zu fördern. Im Gespräch mit Detlef Hellmers, dem Vorstand der Stiftung, geht es um Hilfen für kleine Menschen, ehrenamtliches Engagement und die gute Tat in schwierigen Zeiten.

Ist ehrenamtliches Engagement Voraussetzung, um als Projekt von der Stiftung Gesundheitsservice gefördert zu werden?

Detlef Hellmers: Formalrechtlich müssen Sie eine gemeinnützige Institution oder Verein sein, um von uns gefördert zu werden. Wir schauen uns aber sehr genau an, wie stark das Ehrenamt im Fokus ist. Ein Beispiel: Wir haben einen Gehörlosenverein gefördert, der für gehörlose und hörende Kinder zusammen Sommerolympiaden organisiert. Wir fanden den inklusiven Ansatz toll, und haben in den Gesprächen mit den Verantwortlichen schnell festgestellt, wieviel ehrenamtliches Engagement dahintersteckt. Die Organisatoren arbeiten komplett unentgeltlich und Fördergelder gehen zu hundert Prozent in die Veranstaltung. Das ist ein Beispiel, wo wir klipp und klar sagen: Hier ist das Ehrenamt im Vordergrund, und das finden wir gut.

Frau Stamm, Ehrenamt wird auch bei der BERGISCHEN großgeschrieben. Engagieren Sie sich deshalb für die Stiftung Gesundheitsservice?

Sabine Stamm: Ich war sehr dankbar, als ich gefragt worden bin, ob ich in der Stiftung mitarbeiten möchte. Mir ist es wichtig, mich sozial zu engagieren, weil ich sehe, dass es viele benachteiligte Menschen gibt. Die Stiftung setzt sich dafür ein, die gesundheitliche Entwicklung von Familien und Kindern zu fördern und sich in schwierigen Zeiten zu engagieren. Und zurzeit sind es vor allem Kinder, die unter der Situation leiden. Mit der Arbeit in der Stiftung kann ich fortsetzen, was andere Vorstandskolleginnen und Kollegen angefangen haben.

Was ist genau Ihre Aufgabe im Stiftungsrat?

Sabine Stamm: Wie bei Krankenkassen auch ging es im Frühjahr bei der meiner ersten Sitzung vor allem darum, die Finanzen im Blick zu haben. Ich war sehr positiv überrascht, mit wieviel, oder besser gesagt, mit wie wenig Geld man etwas Guten bewirken kann. Da ist die Diskrepanz zwischen Projekten im Inland und Ausland schon gewaltig. Wir haben zum Beispiel ein Projekt abgelehnt, bei dem der Stundenlohn für einen Mitarbeiter mit knapp 300 Euro viel zu hoch war. Woanders kann man für ein Zehntel davon eine Lehrkraft finanzieren.

Detlef Hellmers: Sie sprechen unser Kindergartenprojekt in Tansania an. Studierende aus Deutschland haben sich engagiert und Geld gesammelt, um in einer ländlichen Region ein Schulgebäude errichten zu können. Mittlerweile besuchen 80 Kinder in drei Gruppen den Kindergarten und werden dort auch in einer Art Vorschule unterrichtet. Der Lehrer bekommt ein Honorar von 30 Euro im Monat. Da sieht man schnell die Unterschiede: In Tansania kann man mit umgerechnet einer halben Tankfüllung sehr viel bewegen.

Können unsere Leserinnen und Leser auch Projektvorschläge einreichen?

Hellmers: Ja, natürlich. Wenn jemand eine Idee hat, die zu unserer Stiftung passen könnte, dann kann er oder sie sich gern melden. Das kann ein Kindergarten ebenso sein wie ein Hospiz oder ein komplexes zu Unterstützung von Familien mit kranken Kindern.  Unser Budget erlaubt uns, in jedem Jahr etwa drei bis fünf Vorhaben zu fördern. Maximal gibt es 5.000 Euro je Projekt.
Stamm: Auf jeden Fall. Wir als Kasse sind immer für den direkten Weg zu haben. Und wenn jemand ein Projekt vorschlagen möchte, dann freuen wir uns über jeden Hinweis. 

Was wünschen Sie sich als jüngstes Mitglied des Stiftungsrats für die Zukunft der Stiftung? Vielleicht dass sie eines Tages nicht mehr gebraucht werden wird?

Sabine Stamm:  Ich glaube, dass eine solche Stiftung nie überflüssig sein kann. Die jüngste Zeit zeigt uns, dass die Schere immer größer werden kann, zwischen den Benachteiligten und denen, denen es gut geht. Auch wenn es nicht immer einfach werden wird, freue ich mich schon darauf, im November zu überlegen, welche Projekte wir unterstützen können. Für mich ist die Arbeit für die Stiftung eine Herzensangelegenheit.

Hellmers: Es gibt viele Menschen, die sich engagieren, über die man aber selten etwas liest oder hört. Aber wir merken, dass das Ehrenamt lebt und viele Menschen ein starkes soziales Gewissen haben. In Zukunft wird die Notwendigkeit zu helfen bestimmt nicht weniger, sondern eher mehr werden.