"Wenn man fällt, ist es wichtig, immer einmal mehr aufzustehen!"

Im Gespräch

mit Max Ramota

Max Ramota, ehemaliger Handballprofi, Initiator und Namensgeber der Handball-Feriencamps „Max Camps“ stand der BERGISCHEN Krankenkasse für ein Gespräch bereit. Er berichtet über die Hintergrundgeschichte der Max Camps und wie sehr ihn der Handball bis heute prägt und begleitet.

Herr Ramota, in den Herbstferien starten wieder die von Ihnen ins Leben gerufenen Max Camps – Handball for kids. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Max Ramota: Mein Trainerteam und ich freuen uns in erster Linie darauf, wieder mit vielen Mädchen und Jungen aus verschiedenen Altersstrukturen zusammenzuarbeiten und sie gemeinsam für den Handballsport zu begeistern. Handball ist, nach Fußball, die zweitbeliebteste Ballsportart in Deutschland. Leider hinken wir den großen Handballnationen Dänemark, Frankreich oder Spanien im Nachwuchsbereich hinterher. Aber das ist gar nicht die Hauptintension, die wir mit den Max Camps verfolgen. Viel eher möchten wir den Kids bestimmte Werte vermitteln: Zusammenhalt, Miteinander, Teamplay und gegenseitigen Respekt. Der Spaß darf dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Heutzutage ist es extrem wichtig, dass Kinder neben all dem Stress auch Spaß haben und sich austoben dürfen. Das wollen wir mit den Max Camps unterstützen.

Worin unterscheiden sich die Max Camps von anderen Feriensportangeboten?

Ramota: Nun, das Rad erfinden wir natürlich nicht neu, aber das Gesamtkonstrukt der Max Camps ist auf seine Weise schon einzigartig. Denn um der Sache und den Kindern gerecht zu werden, haben wir viele ausgebildete Trainer vor Ort, die den Kids ein geschultes Training garantieren und sich um jeden Einzelnen kümmern. Zusätzlich versuchen wir weitere Themen miteinfließen zu lassen, die in dem Alter eine wichtige Rolle spielen: Pubertät, Ernährung, Entspannung und Konfliktlösung. Das machen meine Kolleginnen und Kollegen wirklich spitze. Was uns ganz besonders imponiert: Manche Kids aus den Max Camps kommen Jahre später auf uns zu und wollen ebenfalls die Trainer-Ausbildung für die Max Camps absolvieren. Das ist für uns alle ein Riesenkompliment und eine Wertschätzung unserer Arbeit. Uns ist es auch wichtig, dass wir mit unserem Angebot die Eltern ansprechen, die sich ein solches Feriencamp finanziell nicht leisten können. Dafür arbeiten wir mit Sponsoren, wie Ihnen zusammen, die jährlich zwei Feriencamps mit 220 Euro bezuschussen. Das ist einer der Gründe, weshalb wir 2017 max-camp e.V. gegründet haben.

Ein gutes Stichwort. Welche Idee oder Philosophie steckt hinter dem max-camp e.V.?

Ramota: Hinter max-camp e.V. steht die Idee und Philosophie, dass wir Kindern etwas Gutes tun wollen. Meine Mutter war alleinerziehend und musste mich und meine zwei älteren Brüder großziehen. Trotzdem hat sie alles dafür getan, dass es uns an nichts fehlte und wir unsere Träume leben durften. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Kinder wachsen in zerrütteten Verhältnissen auf, dürfen ihre Kindheit nicht ausleben und sind sozial isoliert und ausgegrenzt. Wir wollen mit den Max Camps einen Beitrag leisten, Kinder zum Lachen zu bringen und ihnen aufzeigen, wie sehr der Sport Brücken des Miteinanders und der Gemeinschaft schaffen kann. Sport hat wirklich eine große Kraft und insbesondere der Mannschaftssport ist für die soziale Kompetenz und den Teamgeist Gedanken von großer Hilfe. Das ist unsere tägliche Motivation und ich kann Ihnen sagen, es macht wahnsinnig viel Spaß!

Das glauben wir Ihnen sofort. Sie selbst haben eine lange Handball-Karriere hinter sich. Wie sind Sie damals zum Handball gekommen?

Ramota: Meine zwei älteren Brüder haben mich sozusagen an die Hand genommen und ich hatte schon recht früh ein Gespür dafür, dass mir der kleine Ball ganz gut in der Hand liegt (lacht). Zusammen mit meinen Brüdern habe ich damals auf Vereinsebene beim TuS Königsdorf im Alter von sechs Jahren angefangen. In meiner Jugend waren der VfL Gummersbach, die SG Solingen und HSG Düsseldorf meine weiteren Stationen, bevor ich dann in der Bundesliga beim TBV Lemgo gelandet bin. Dort spielte übrigens auch mein Bruder Christian. Unsere Wege haben sich also wieder gekreuzt (lacht).

Zwei Brüder in der Handball-Bundesliga. Das ist schon außergewöhnlich. Was waren denn rückblickend die größten Erfolge und Momente Ihrer Karriere?

Ramota: Meine größten Erfolge hatte ich ganz klar mit dem TBV Lemgo. Wir gewannen 2003 die Deutsche Meisterschaft, den DHB-Supercup und wurden 2006 sogar Europapokalsieger. Eine unvergessliche Zeit. Wenn Sie mich aber nach den größten Momenten meiner Karriere fragen, ist die Antwort nicht so leicht zu geben, denn in allen Erlebnissen steckt etwas Einzigartiges. Klar, könnte ich jetzt sagen, die Titelgewinne waren meine größten Erfolge und Momente, aber man muss es differenzierter betrachten.

Können Sie das konkretisieren?

Ramota: Nun, ja. Auch sportliche Niederlagen gehören in die Gesamtbetrachtung. Niederlagen haben mich stärker gemacht. Ohne sie wäre ich nicht der, der ich jetzt bin. Sie haben mir gezeigt, dass noch etwas fehlt zum ganz großen Triumph. Niederlagen fühlen sich im ersten Moment schrecklich an. Es ist ein Gefühl der Leere, der Ratlosigkeit aber auch der Wut. Im zweiten Moment kehren aber Ehrgeiz und Motivation zurück. Man darf nicht zu lange hadern, sondern muss aufstehen und die Ärmel hochkrempeln. Ich habe durch den Sport gelernt, und das möchte ich  an dieser Stelle betonen: Wenn man fällt, ist es wichtig, immer einmal mehr aufzustehen. Auch dies gilt es den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln. Niederlagen gehören zum Leben, den Umgang damit muss man lernen. Momente, die rückblickend wichtig und lehrreich waren. Sie können im Leben sogar Wendepunkte sein, den bisher eingeschlagenen Weg zu überdenken.

Würden Sie dennoch in Ihrem Leben etwas rückgängig oder anders machen wollen?

Ramota: Diese Frage kann ich klipp und klar mit Nein beantworten. Ich bin von Natur aus ein Optimist. Manche würden das vielleicht als naiv bezeichnen, aber ich sehe hinter jeder Entscheidung und hinter jedem Erlebnis einen Sinn. In allem steckt etwas Gutes, auch wenn wir das im ersten Moment nicht so sehen.

Haben Sie zum Abschluss noch einen Ratschlag, den Sie jungen Nachwuchshandballerinnen- und handballern mit auf den Weg geben wollen?

Ramota: Habt Spaß und seid mit vollem Herzen dabei. Das ist das A und O. Nur so holt ihr das Maximale aus euch heraus. Und auch wenn es mal weniger gut läuft: glaubt an euch, seid fleißig und zielstrebig, aber auch voller Demut und Zurückhaltung. Selbst wenn es nicht für die ganz große Karriere reichen sollte: Ihr lernt wichtige Dinge fürs Leben und das kann euch niemand nehmen.

Herr Ramota, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Michael Ganter von der BERGISCHEN Krankenkasse.

Maximilian "Max" Ramota

  • ehemaliger Bundesliga-Handballspieler:
    • Stationen TuS Königsdorf, VfL Gummersbach, SG Solingen, HSG Düsseldorf, TBV Lemgo, HSV Solingen-Gräfrath
    • 2003: Gewinn der deutschen Meisterschaft und des DHB Supercups (mit TBV Lemgo)
    • 2006: Gewinn des EHF-Pokals (mit TBV Lemgo)
    • Trainerlaufbahn nach aktiver Karriere: Jugendmannschaft des HSV Gräfrath und TSV Aufderhöhe
  • Gründer der Max Camps - Handball for kids

Termine und weitere Infos zu den Max Camps

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