Sport bei Corona

Tipps und Risiken

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Sport bei Corona: Interview mit Dr. Stefan Redlin

Corona und Sport: Kann ich während der Quarantäne im Zimmer trainieren? Wann ist der richtige Zeitpunkt, wieder mit dem Training zu starten? Dr. Stefan Redlin, Internist des Sportmedizinischen Zentrums Solingen, gibt Tipps und warnt vor Risiken.

Herr Dr. Redlin, nach wie vor stecken sich viele Menschen mit dem Corona-Virus an. Die Quarantäne ist für viele eine Nervenprobe … da wäre ein bisschen Sport doch eine gute Abwechslung. Oder?

Dr. Stefan Redlin: Ich verstehe, dass eine Quarantäne langweilig ist. Wenn jemand in Quarantäne muss, weil er oder sie Kontaktperson ist, ist gegen Sport auch nichts einzuwenden. Sind Sie aber infiziert, sieht das ganz anders aus. Und zwar unabhängig davon, ob Sie Beschwerden haben! Sie riskieren sonst zweierlei: zum einen, dass der Infekt länger andauert als nötig, und zum anderen, dass es zu Komplikationen kommt. Daher empfehlen wir nicht nur bei COVID, sondern bei allen bei Infekten grundsätzlich immer eine Sportpause.

Wenn die Beschwerden nur leicht sind: Ein bisschen Sport geht aber schon, oder?

Redlin: Da geht nix! Die offizielle Empfehlung lautet: Auch bei Patienten ohne Symptome Sportpause mindestens für die Dauer der Quarantäne, in der Regel zehn bis vierzehn Tage. Der Empfehlung schließe ich mich auch aus eigener Erfahrung an.

Warum?

Redlin: Ein positiver Test heißt, dass das Virus irgendwo im Körper sitzt. Der Infekt schwelt im Körper, auch wenn keine Symptome auftreten. Und in dem Moment, wo ich durch sportliche Aktivität mein Immunsystem beschäftige, öffne ich dem Virus alle Türen. Dann kann es wirkliches Unheil anrichten. Organe, die vorher nicht betroffen waren, können sich mit entzünden, beispielsweise das Herz. Unter Umständen merke ich das erst einmal gar nicht. Im weiteren Verlauf kann es aber sehr unangenehme Konsequenzen haben.

Welche Konsequenzen sind das konkret?

Redlin: Die Komplikation, die wir Kardiologen am meisten fürchten, ist eine Herzmuskelentzündung. Die birgt zwei Gefahren: Akut können Herzrhythmusstörungen entstehen, die unter Umständen auch tödlich enden. Sie sind eine der möglichen Ursachen eines plötzlichen Herztodes im Sport, der leider auch junge Menschen betrifft. Mittel- und langfristig besteht das Risiko, dass der entzündete Herzmuskel sich vergrößert und schwach wird. Das führt zu einer dauerhaften Herzschwäche, die sich auch nach Abklingen der eigentlichen Herzmuskelentzündung nicht wieder zurückbildet. Davon hat man dann ein Leben lang etwas – im negativen Sinne.

Wenn die Infektion überstanden und die Tests negativ sind: Wie steige ich dann wieder ins Training ein?

Redlin: Wichtig ist, dass man ein Bauchgefühl entwickelt und wirklich in sich hineinhorcht, ob man sich noch beeinträchtigt fühlt. Fast jeder Sportler hat inzwischen auch eine Pulsuhr und kennt seine Herzfrequenzen. Wenn die Herzfrequenz wieder normal ist und Sie sich uneingeschränkt belastbar fühlen, können Sie langsam wieder anfangen. Einfach mal wieder langsam sich in eine Belastung hineinfinden. Beobachten Sie sich dabei genau, wie Ihnen das bekommt.

Kann ich nicht einfach genauso weitertrainieren wie vorher?

Redlin: Wir haben im besten Fall eine Sportpause von zehn oder vierzehn Tagen gehabt. Danach kann man natürlich nicht weitermachen, wo man vorher aufgehört hat. Das wird mit Sicherheit schief gehen und ist auch aus trainingswissenschaftlicher Sicht gar nicht sinnvoll. Wer sich wohl fühlt, kann die Intensität nach und nach wieder steigern.

Wann sollte ich abbrechen?

Redlin: Wenn man das Gefühl hat, irgendetwas stimmt noch nicht. Zum Beispiel, dass die Herzfrequenz höher ist als vorher. Oder wenn Beschwerden auftreten: Wenn man noch ein bisschen kurzatmig ist oder sich einfach unwohl fühlt. Dann muss man diesen Sportlern grundsätzlich empfehlen, den Arzt zu konsultieren, bevor es wieder weitergeht mit dem Sport.

Was kann der Arzt machen?

Redlin: Es gibt die Sportgesundheitsuntersuchung. Die kann im Grunde genommen jeder Arzt machen, vor allem aber natürlich die Sportmediziner. Dabei hören wir Lunge und Herz ab, machen gegebenenfalls ein EKG und in Einzelfällen noch einen Ultraschall des Herzens oder ein Belastungs-EKG. Wir beobachten genau, was passiert, wenn der Patient sich körperlich belastet: Gibt es Rhythmusstörungen oder EKG-Veränderungen, die auf ein Problem des Herzens hindeuten?

Ist es nach überstandener Infektion noch wichtiger als sonst, auch die Kraft zu trainieren?

Redlin: Die Infektion spielt da weniger eine Rolle. Besonders Läufer vernachlässigen oft die Rumpfstabilität. Eine schwach ausgebildete Rumpfmuskulatur führt dazu, dass ich mit zunehmender Dauer eines Laufes immer krummer werde. Dadurch verschlechtern sich die Lauf- und Atemmechanik. So schön das Laufen für einen Läufer ist, ein gewisses Kraft- und Stabi-Training sollte immer dazu gehören.

 

Herr Dr. Redlin, vielen Dank für das Interview.

 

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Herzmuskelentzündung vom Sport bei Infekten

Dr. Redlin, Sie sagen, der worst case aus internistischer Sicht ist die Herzmuskelentzündung. Spürt man die?

Dr. Stefan Redlin: Wenn man gut auf die Zeichen seines Körpers achtet, kann man sie spüren. Ein Leistungsknick, Kurzatmigkeit, unregelmäßiger Herzschlag. Einige Patienten verspüren auch Schmerzen im Brustkorb. Aber es gibt auch die Fälle, wo Symptome nicht oder nur sehr diskret auftreten.

Was ist an einer Herzmuskelentzündung so schlimm?

Redlin: Erstens besteht das Risiko, eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung zu entwickeln. Das ist eine mögliche Ursache, wenn Sportler plötzlich tot umfallen. Zweitens: Wenn ich einen entzündeten Herzmuskel dauerhaft überstrapaziere, leiert er aus. Wie ein Gummiband, an dem ich zu lange zu fest ziehe. Daraus kann eine dauerhafte Herzschwäche entstehen, da der Muskel an Kraft verliert.

Wie lange dauert es, bis eine Herzmuskelentzündung abheilt?

Redlin: Die offizielle Empfehlung bei einer Herzmuskelentzündung lautet: Sportpause von drei bis sechs Monaten. Kürzlich habe ich von einem Fußballprofi gehört, bei dem es hieß, er sei an einer Herzmuskelentzündung erkrankt und könne jetzt vier Wochen nicht eingesetzt werden. Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass so etwas öffentlich kommuniziert wird. Es kann ja sein, dass seine Vereinsärzte ihn so gut unter Kontrolle haben, dass sie das für machbar halten. Aber die Signalwirkung für den normalen Sportler ist fatal. Wenn es zu einer Herzmuskelentzündung kommt, dauert die Sportpause tatsächlich ein viertel bis halbes Jahr. Das ist einfach notwendig.

Weiterlesen:
„Sport stärkt unser Immunsystem“, Interview mit Dr. Stefan Redlin

Biografie von Dr. med. Stefan Redlin (Autorin: Lilian Muscutt)

 

AutorinCarolin Kubo, BERGISCHE Krankenkasse

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