Solingens OB Daniel Flemm spricht mit Karin Hendrysiak und Alf Dahl von der BERGISCHEN. In den Händen hält er zwei Plüsch-BroKK-Olis

Solingen als Gesundheitsstadt

Interview mit Solingens OB Daniel Flemm

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Mehr Prävention, neue ambulante Angebote und ein modernes Gesundheitsnetzwerk: Solingen hat sich viel vorgenommen. Im Interview spricht Oberbürgermeister Daniel Flemm über Zukunftsprojekte, die Grenzen kommunaler Finanzierung und die Rolle der BERGISCHEN als starke Partnerin der Gesundheitsstadt Solingen.​

Interview: Karin Hendrysiak​​​​​​

Gemeinsam gesund in die Zukunft – Daniel Flemms Vision für Solingen

Her​​​​​​​r Flemm, seit November lenken Sie als Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt Solingen, dem Ursprung und Hauptsitz der BERGISCHEN KRANKENKASSE. Welche Vision haben Sie für Solingen als Gesundheitsstadt – und passt das Engagement der BERGISCHEN in dieses Konzept?

Daniel Flemm: Ja, das Engagement der BERGISCHEN passt unbedingt in dieses Konzept. Die Vision von Solingen als Gesundheitsstadt ist zentraler Bestandteil unserer städtischen Nachhaltigkeitsstrategie. Diese Vision zielt darauf ab, die Gesundheitsversorgung durch innovative Ansätze, Digitalisierung und eine engere Vernetzung von Akteuren zu verbessern. Erklärtes Ziel ist es, die Lebensqualität unserer Bürgerinnen und Bürger und die medizinische Versorgung durch innovative Konzepte langfristig zu sichern. Die BERGISCHE ist dabei unser wichtiger Partner.

 

Kliniken, Praxen, Pflege: Wo der Handlungsbedarf am größten ist

Wo sehen Sie den größten Investitionsbedarf bei Kliniken, ambulanter Versorgung und Pflege?

Flemm: Bedeutendste Investition in die Gesundheitsinfrastruktur ist derzeit die Modernisierung und der Ausbau des Städtischen Klinikums. Als Haus der Maximalversorgung ist es für die Stadt und die Region von zentraler Bedeutung, in vielen Bereichen nicht nur anerkannt, sondern führend.

Wichtiger Teil unserer Strategie ist, Leistungen verstärkt ambulant anzubieten. Dazu gehört etwa der Ausbau eines ambulantes Operationszentrums und medizinischer Versorgungszentren.

Eine entscheidende Rolle spielt die Akademie für Gesundheitsberufe, die wir vor wenigen Wochen eröffnet haben. Sie bündelt viele Aus- und Weiterbildungen im Gesundheitswesen, hat Vorbildcharakter und setzt für die Zukunft unserer Stadt ein starkes Signal. 

 

Alle Akteure an einen Tisch: Gesundheitsregion Solingen stärken

Planen Sie einen Runden Tisch mit allen Akteuren des Gesundheitswesens, um Solingen als Gesundheitsregion zu stärken?

​​​​​​​Flemm: Seit Jahren und ganz besonders nach der Corona-Pandemie arbeiten in Solingen lokale Akteure im Gesundheitswesen eng zusammen. Wir haben wertvolle Strukturen geschaffen und sind gute Partner. Das nutzen wir, um Gesundheitsthemen gemeinsam voranzubringen und für die Menschen eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen. Aktuell beschäftigt uns zum Beispiel die Frage, wie sich das Gesundheitssystem auf Krisen vorbereitet. Alle Beteiligten arbeiten eng und vertrauensvoll zusammen, kennen sich gut und können sich aufeinander verlassen.

 

Gesundheit vernetzen: Zusammenarbeit von Sportvereinen, Schulen und sozialen Einrichtungen stärken​​​​​​​

Wie kann Solingen die Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen, Schulen und sozialen Einrichtungen fördern, um gesundheitsbezogene Angebote besser zu vernetzen?

Flemm: Wir arbeiten mit lokalen Akteuren ganz eng zusammen. Das Projekt „Kinder in Bewegung“, in dem das Gesundheitsamt mit dem Stadtsportbund kooperiert, gibt ein gutes Beispiel: Jedes Kind, das von einer Bewegungsförderung profitieren könnte, erhält ein Angebot. Gemeinsam mit den Familien wird überlegt, welcher Sport passen könnte, der erste Weg in den Sportverein wird unterstützt.

 

Nachhaltigkeit und Klimaschutz prägen Bau, Energie und Mobilität in Gesundheit und Pflege

Welchen Stellenwert geben Sie Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Gesundheit und Pflege, insbesondere bei Bau, Energie & Mobilität?

Flemm: Die Verbindung ist sehr wichtig. So spielt das Thema Gesundheit in unserer Nachhaltigkeitsstrategie eine große Rolle. Und gerade eben haben wir das Projekt „Circular.Care.Solingen“ auf den Weg gebracht, u.a. in Kooperation mit dem Klinikum. Damit setzen wir einen wichtigen Impuls, um Kreislaufwirtschaft, modernes Abfallmanagement und nachhaltige Beschaffung im Gesundheitssektor weiterzuentwickeln.   

Prävention hat eine zentrale Bedeutung für Solingens Zukunft

Welche Bedeutung hat Prävention (z. B. Sport, Aufklärung) für Solingens Zukunft?

Flemm: Prävention ist von großer Bedeutung. Sie hilft, langfristig die Kosten im Gesundheitssystem zu senken und die Lebensqualität der Menschen zu steigern. Aufklärung und gesundheitsfördernde Programme können zum gesünderen Lebensstil beitragen, mit ausgewogener Ernährung, Bewegung, Stressmanagement, Reduktion von Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin. Sie senken das Risiko, etwa für Herz-Kreislauf Erkrankungen, Diabetes oder Krebs.

 

Positives Engagement der BERGISCHEN für die Gesundheitsregion

Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang das Engagement der BERGISCHEN?

Flemm: Die BERGISCHE ist wichtiger Akteur und Partner. Sie engagiert sich in der Prävention und investiert in Präventionsleistungen für die Versicherten.

 

Solingen stärken: Perspektiven für traditionsreiche Arbeitgeber sichern

Die BERGISCHE ist seit 155 Jahren tief in Solingen verwurzelt und ein wichtiger Arbeitgeber. Wie wollen Sie solche Traditionsunternehmen langfristig am Standort halten und stärken?

Flemm: Gesundheitsprävention spielt für Unternehmen eine große Rolle. Schon in ganz frühen Phasen können sie mit BKK-Angeboten in Kontakt kommen und davon profitieren. Das trägt dazu bei, gute Rahmenbedingungen für Innovationen, Kooperationen und Fachkräfte zu schaffen.

Unser Ziel ist es, am Standort Zukunftsthemen im Gesundheitsmarkt zu verankern und die Wettbewerbsfähigkeit von etablierten Unternehmen auch damit langfristig zu sichern.

Unsere Wirtschaftsförderung (Solingen.Business) stärkt die BERGISCHE vor allem durch gezielte Innovationskooperationen und Netzwerke. Zusammenarbeit gibt es etwa in Formaten wie dem berg-pitch und in Startup-Förderprogrammen. Gezielt werden Startups als Kooperationspartner vermittelt, um gemeinsam an digitalen Präventions- und Versorgungsansätzen zu arbeiten. Daraus sind Initiativen in der Gesundheitsbranche wie der der „HealthCare Award“ entstanden und der „HealthCare Inkubator“, der sich im Aufbau befindet. 

Solche Kooperationen stärken die Innovationskraft der Unternehmen und erhöhen ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Sie tragen dazu bei, dass Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Engagement langfristig in der Region bleiben.

Und: durch die Zusammenarbeit mit regionalen Innovationsformaten erhält die BERGISCHE frühzeitig Einblicke in neue Entwicklungen im Gesundheitsbereich, kann innovative Präventions- und Versorgungsansätze testen und sich als moderner Gesundheitsakteur positionieren. Zugleich entstehen Kooperationen mit Unternehmen, die neue Impulse für Angebote und Services der Krankenkasse liefern.

Gemeinsam an der Startlinie: Der erste Schritt zu einem gesünderen Solingen​​​​​​​

Der Klingenlauf ist Kult. Die BERGISCHE ist als Sportlerkasse ebenso wie Sie immer an der Startlinie. Wenn wir gemeinsam den Startschuss für ein gesünderes Solingen geben: welches Hindernis räumen wir als e​​​​​​​rstes aus dem Weg?

Flemm: Ich sage es mal so: Wir befinden uns in einem 110-Meter-Hürdenlauf. Viele Hürden überspringen wir, aber uns sind leider auch Grenzen gesetzt aufgrund der Haushaltslage. Wir müssen an unserer Kondition arbeiten und etwa dafür werben, dass die Kommunen auch für den Sport finanziell besser ausgestattet werden. Denn: Sport hält gesund und stärkt die Gemeinschaft.

Konkret: Unsere Hallenkapazitäten reichen nicht aus und müssten ausgebaut werden. Wir stehen vor großen Herausforderungen: Die Eissporthalle und das Freibad Ittertal müssen saniert werden. Und als Großstadt haben wir kein regionalligataugliches Fußballstadion.  

​​​​​​​Herr Flemm, danke für das Gespräch.

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FAQ – Solingen als Gesundheitsstadt

Warum ist die BERGISCHE für Solingen so wichtig?

Die BERGISCHE ist nicht nur eine traditionsreiche Krankenkasse mit langer Geschichte in Solingen, sondern auch eine wichtige Partnerin für Prävention, Gesundheitsförderung und Innovation. Sie engagiert sich in regionalen Netzwerken und unterstützt Solingen bei der Sicherung einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung vor Ort. 

Welche Vision hat Oberbürgermeister Daniel Flemm für Solingen als Gesundheitsstadt?

Solingen möchte Gesundheitsversorgung, Prävention und Innovation stark vernetzen. Ziel ist es, die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen und die medizinische Versorgung langfristig zu sichern.

Welche Rolle spielt Prävention für die Zukunft der Stadt?

Prävention soll dazu beitragen, Krankheiten zu vermeiden, die Lebensqualität zu steigern und das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten. Bewegung, Aufklärung und gesundheitsfördernde Angebote stehen dabei im Mittelpunkt.

Wie arbeiten die Stadt Solingen und die BERGISCHE zusammen?

Die Zusammenarbeit erfolgt unter anderem über Gesundheitsprojekte, Präventionsangebote, Innovationsnetzwerke und den Austausch mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Bildung und Gesundheitswesen.​​​​​​​​​​​​​​

Welche Gesundheitsprojekte stehen in Solingen aktuell im Fokus?

Zu den wichtigen Vorhaben zählen die Modernisierung des Städtischen Klinikums, der Ausbau ambulanter Versorgungsangebote, die Akademie für Gesundheitsberufe sowie Projekte zur nachhaltigen Entwicklung des Gesundheitssektors.

Wie unterstützt Solingen Innovationen im Gesundheitsbereich?

Über die Wirtschaftsförderung werden Kooperationen zwischen Unternehmen, Startups und Gesundheitseinrichtungen gefördert. Formate wie der berg-pitch sowie Initiativen wie der HealthCare Award der BERGISCHEN KRANKENKASSE und der geplante HealthCare Inkubator sollen neue Ideen in die Praxis bringen. Die BERGISCHE spielt eine wichtige Rolle als Innovationsmotor.